Wissenschaftliche Arbeiten Die Münzstätte St. Pölten (1624 – 1626)  Während des Dreißigjährigen Krieges hatte die Zivilbevölkerung in Niederösterreich durch den  weltlichen und geistlichen Krieg am meisten zu leiden. St. Pölten war zwar nicht direkt  Kriegschauplatz, musste aber wie in allen Städten und Dörfern Soldaten einquartieren und zusätzlich  sehr hohe Kriegsabgaben leisten. Besonders die Erhaltung und Besoldung der Armee verschlang  Unsummen von Geld. Dem König fehlte es an allen Ecken und Enden an finanziellen Mitteln – „Not  Macht erfinderisch“ – Prägeanstalten wie die Münze in St. Pölten wurden gegründet,  um neue  Münzen zu prägen. Die Ausmünzung in der St. Pöltner Münzanstalt begann am 30. Juni 1624. Als  Geschäftspartner an der Münzstätte tauchen in den Quellen auch Italiener und österreichische  hofbefreite Juden auf. Ab 1. Jänner 1625  wurde die Stelle des Münzmeisters wieder neu besetzt und  auch unter ihm kam es in den folgenden Monaten immer mehr zu Streitereien innerhalb der Münze  und mit der St. Pöltner Bevölkerung. Die Bürger fürchteten weitere Abgaben und noch mehr finanzielle  Belastungen statt Entlastungen. Aus diesem Grund beauftragten sie ihren Stadtrichter von St. Pölten,  in Wien um die Einstellung der Münze zu bitten. Parallel dazu versuchte man, den St. Pöltner Taler als  nicht vollwertig hinzustellen, was aber nur das Gegenteil ans Tageslicht brachte: Der St. Pöltner Taler  hatte einen qualitativ höheren Wert als manch andere Münzen ihrer Zeit.    In dieser sehr schwierigen Zeit des Wiederauflebens des Katholizismus (Niederösterreich war fast zur  Gänze protestantisch), war es nicht verwunderlich, dass man Andersgläubige wie den  protestantischen Münzmeister Edling und seine jüdischen Geschäftspartner durch verschiedenste  Anschuldigungen versuchte, aus der Stadt zu treiben. Altbekannte Stereotypen wurden wieder  hervorgeholt -  Juden und Calvinisten würden sich in der Stadt breit machen und den Katholiken  wirtschaftlich schaden, besonders die Münzstätte St. Pölten. Schließlich erging der  Ausweisungsbefehl, die so genannte Konkurrenz wurde ausgeschaltet - die Bürger St. Pöltens hatten  nichts mehr gegen die Münzstätte einzuwenden. Am 20. 9. 1625 machten die Katholiken eine Eingabe  an die Regierung in Wien, nun die Prägung selbst  übernehmen zu wollen. Der Antrag wurde jedoch  abgelehnt. Im April 1626 starb der Münzmeister - dies war auch gleichzeitig das Ende der Münze.   In der St. Pöltner Prägeanstalt wurden zwischen 1624 und 1626 an die 80.000 Stück Taler und  Halbtaler ausgemünzt. Leider sind nur mehr wenige Stücke aus dieser alten Münzanstalt erhalten  geblieben